Klaus Weiss Orchestra

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Die All-Star-Bigband von Schlagzeuger Klaus Weiss in Höchstform: Auf unserer achten LP gibt’s die besten Songs einer Live-Aufnahme von 1971 zu hören – besser denn je! Genießen Sie 40 Minuten klanglichen und musikalischen Hochgenuss eines großen, vorzüglich aufgelegten Jazzorchesters.

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Inhalt

von Dirk Sommer

35 Jahre nach der Aufnahme erscheinen die besten Songs von Klaus Weiss‘ All-Star- Bigband zum zweiten Mal auf Vinyl – und klingen besser denn je, meint zumindest der Namensgeber und Leiter des Orchesters.

Mit der Ankündigung der image hifi-LP 008 im Editorial des letzten Heftes habe ich mich nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt: Kurz nach Erscheinen der November/Dezember-Ausgabe traf die Palette mit 1000 pressfrischen Scheiben aus Diepholz in Gröbenzell ein. Und der Inhalt einiger Kartons fand bereits während des Analogforums in Düsseldorf und der klangBilder in Wien neue Besitzer. Da man den Werdegang vom Mastertape zur fertigen Platte auf zehn Seiten unseres Analogbuches nachlesen kann, verzichte ich an dieser Stelle auf eine ausführliche Schilderung des Produktionsablaufes und wiederhole lediglich einige wenige Fakten.
Willem Makkee, dem wir die phantastischen Umschnitte aller bisherigen image-Produktionen zu verdanken haben, stand für das Mastering von Live At The Domicile leider nicht mehr zur Verfügung, da er sich seit einiger Zeit im (Un-)Ruhestand befindet. Nach kurzer Suche und längeren Gesprächen stand dann fest, dass Thorsten Scheffner in seinem Organic Music Studio in Obing nicht weit vom Chiemsee die Überspielung der neuen Scheibe übernehmen würde. Er vertraut beim Aufnahme-Equipment auf bewährte Hersteller
wie Telefunken und EMT, nennt eine Sammlung exquisi-ter Neumann-Mikros sein Eigen, schätzt wiedergabeseitig Ortofon, Garrard und Tannoy und schneidet mit einer durch-aus audiophilen Mi-schung aus Neu- mann, Vinylium, Manley und – kein Scherz – Higher Fidelity. Ja selbst
eine Netzaufbereitung von Isotek kommt hier zum Einsatz und wird nicht, wie sonst in Studio-Kreisen üblich, von vornherein als Voodoo verteufelt.
Das Mastertape befand sich trotz seines Alters in gutem Zustand, wies allerdings einen etwas zurückhaltenderen Hochtonanteil auf, als die in Heft 70 für den Test der Unison-Verstärker herangezogene CD. Nach mehreren Versuchen mit ebenso vielen Testschnitten kehrten wir schließlich zum Originalklang des Masters zurück, entfernten dafür aber sämtliche Entzerrer sowie einen Transienten-Limiter aus dem nun ausgesprochen kurzen Signalweg. Als Zuspielmaschine tat übrigens eine Telefunken M15 A mit zwei Schmetterlings-Wiedergabeköpfen Dienst. Nach der Fertigstellung der Lackfolien vergingen gerade einmal 24 Stunden, bis sie im Presswerk eintrafen und weiterverarbeitet wurden. Bei der Pallas lief dann alles wie gewohnt: Die Pressung erfolgte in 180 Gramm jungfräulichen Vinyls, das anschließend in gefütterte Innenhüllen gebettet wurde und diese nur noch einmal kurz zur Einzelsichtkontrolle verließ.
Doch kommen wir endlich zur Musik: In enger Abstimmung mit Klaus Weiss habe ich aus dem Original-BASF-Doppelalbum „I Want To Celebrate“ die acht packendsten, eingängigsten und auch klanglich besten Songs ausgewählt. Die image-LP beginnt mit dem Titelstück von Andrew Llyod Webbers Jesus Christ Superstar, das seine besondere Spannung aus dem gelungenen Arrangement Bill Holmans, dem Saxophonsolo Don Menzas, den – für mich leider viel zu kurzen – Schlagzeugeinwürfen Klaus Weissens und den energiegeladenen Bläsersätzen bezieht. Bei Elton Johns „The Cage“ schaltet die Band dann einen Gang runter. Das Stück lebt von Tempo- und Stimmungswechseln und vor allem vom zeittypischen Gitarrensolo Philip Catherines und Chuck Finleys Trompete. Ganz allmählich entwickelt sich anschließend John Lennons „Imagine“ im Arrangement von Thad Jones, um schließlich in einem einfühlsamen Flötensolo zu verklingen. Messerscharfe Bläserriffs und ein knalliges Schlagzeug verscheuchen in der Uptempo-Nummer „Get It On“ jeglichen Anflug von Melancholie. Arrangiert hat Ingfried Hoffmann, und die heftig verzerrte Gitarre weckt beste Erinnerungen an entsprechende Sounds in der Titelmelodie von Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt. Solistisch brilliert hier Fritz Pauer auf dem E-Piano. Ein Flügel hätte auf der Bühne des Münchener Domicile bei dieser Besetzung einfach keinen Platz mehr gehabt, begründet Klaus Weiss die Wahl des Instruments.
Die zweite Seite beginnt mit André Popps wohl bekanntestem Hit „Love Is Blue“. Ack van Rooyen, Herb Geller und abermals Klaus Weiss bringen die vertraute Melodie zum Brodeln. Die schier unbegrenzt erscheinende Dynamik des Blechs setzt dem Ganzen weitere Glanzlichter auf. Der verspielte Beginn von „Eleanor Rigby“ mit dem durch ein Wah-Wah veredelten E-Piano und Lucas Lindholms sattem
E-Bass gewährt einen kurzen Moment zum Luftholen, bevor massive Bläserattacken und Don Menzas Solo dem Zuhörer wieder den Atem rauben. Fritz Pauers „Flowers“ erstrahlen dann in fröhlicher entspannter Klangfarbenpracht, Ack van Rooyen bezaubert mit einem lyrischen Solo und die übrigen Bläser demonstrieren eindrucksvoll, dass auch in der Ruhe jede Menge
Kraft liegen kann. Kein Wunder, dass „Spunkwater“ dem Publikum mächtig einheizt: Bill Holman hat den Song nicht nur arrangiert, sondern auch selbst geschrieben. Slide Hampton bringt mit seiner Posaune die Luft zum Vibrieren, Don Menza erhöht die Spannung, und Drums und Blech scheinen vor Energie und Spielfreude geradezu überzuschäumen: Ein würdiger Abschluss für 40 Minuten klanglichen und musikalischen Hochgenuss!
PS: Klaus Weiss hält die image-LP übrigens für die emotional ansprechendste Umsetzung seiner Mastertapes.