Bert Kaempfert 45

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Bert Kaempfert 45, die zweite „image hifi“-Platte Nr. 007

Vier Hits von unserem Lieblings-Bert auf 45 rpm! Jungfräuliches Vinyl & gefährliche Dynamik!

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Inhalt

von Dirk Sommer

Mit einer Bert-Kaempfert-Scheibe begann die kleine Serie von „image hifi“-LPs. Und zur Feier unseres Zehnjährigen haben wir uns den Spaß erlaubt, vier der besten Songs dieses Albums noch einmal aufzulegen. Die Platte trägt die Nummer 007 – was man durchaus als Warnung verstehen könnte…

Auch wenn seit dem Erscheinen der Collection Of 14 Unforgettable Master Recordings bereits sieben Jahre vergangen sind, bekommen die Kolleginnen Schwarz und Zausinger immer noch mal Bestellungen für die erste LP auf ihren Schreibtisch. Aber das „grüne Album“ ist – ebenso wie die Schlager in HiFi und Charlie Hadens None But The Lonely Heart – seit langem ausverkauft. Kein Wunder also, wenn das image-Erstlingswerk auf dem Gebrauchtmarkt deutlich über dem Neupreis gehandelt wird. Als wir in trauter Runde etwaige Aktivitäten im Umfeld des Jubiläumsheftes planten, kam daher auch schnell der Vorschlag einer Wiederauflage aufs Tapet, wurde aber genauso schnell wieder verworfen. Obwohl wir für diese Scheibe nie mit dem vermeintlich verkaufsfördernden Argument „limitiert“ – was ist dann erst unter dem allerorten zu hörenden „streng limitiert“ zu verstehen? – geworben haben, wäre uns eine Nachpressung doch ein wenig wie ein Selbst-Plagiat vorgekommen. Wir entschieden deshalb nahezu einstimmig, uns auf das Paul-Kuhn-Projekt zu konzentrieren.

Aber zwischen Aufnahme und Abmischung von Live in Weinheim kam dem Kollegen Zimmermann plötzlich die eigentlich grandiose Idee, einige der schönsten Kaempfert-Songs – über „die schönsten“ war bei der stimmigen Auswahl des Albums einfach kein Konsens zu erzielen – auf einer 45er herauszubringen. Das „eigentlich“ gibt hier übrigens allein die Sicht des Autor wieder, dem die Aufgabe zufiel, sich um die Wiederauflage zu kümmern. Die Vorgabe der von dem Vorhaben durch die Bank begeisterten Kollegen war eindeutig: Die Maxi habe das ganz vorzüglich klingende Album noch einmal zu übertreffen und selbstverständlich mit dem Erscheinen des Jubiläumsheftes verfügbar zu sein. Letzteres sollte eigentlich kein Problem darstellen: Unter einem gewissen Termindruck zu arbeiten haben mich spätestens die letzten zehn Jahre bei image hifi gelehrt.

Doch hatte ich meine wenigen bisherigen Erfahrungen in puncto Lizenzvergabe durchweg mit kleineren Labels gemacht, wo meist der kleine Dienstweg zum Ziel führte. Bei einem internationalen Star wie Bert Kaempfert sieht man sich da schon komplizierteren Strukturen gegenüber: Die Rechte an seinem Werk liegen zum einen Teil bei Bert Kaempfert Music, wo die Tochter des Arrangeurs und Komponisten, Doris Kaempfert, unsere Collection erfreulicherweise noch in so guter Erinnerung hatte, dass sie auch das neue Projekt spontan befürwortete, und zum anderen beim Musik-Multi Universal. Um es kurz zu machen: Nach einigen Missverständnissen erreichte mich die telefonische Freigabe des Managers Licensing & Clearances gerade noch rechtzeitig – im Emil-Berliner-Studio im Schneideraum Willem Makkees, wo die Mastertapes für den Umschnitt schon bereitlagen. Vielen Dank also an die Rechteinhaber für die schnelle und letztlich doch unbürokratische Abwicklung!

Beim wiederholten Hören der Collection für die Song-Auswahl schwante mir dann, wie schwierig der zweite Teil der kollegialen Vorgabe zu erfüllen war: Das bestehende Album klingt einfach unverschämt gut. Was sollte man da noch verbessern? Nun gut, der Umschnitt auf eine schneller rotierende Folie dürfte ein wenig mehr Pegel und auch einen Hauch mehr Dynamik bringen. Aber würde das ausreichen? Bei „Swingin’ Safari“ hatten sich die damals verantwortlichen Kollegen nach einigen Versuchen für den moderaten Einsatz eines Tieftonfilters entschieden. Den könnte man natürlich weglassen, was das ein oder andere Dezibel mehr Bass zur Folge hätte und auch nahezu subsonische Rauminformationen aus der Musikhalle Hamburg in die Rillen bannte.

Bei so viel Purismus stört dann nur noch das Production Tape. Das war zwar für die Kompilation unumgänglich, da man eine Schneidemaschine während des Überspielvorgangs nicht anhalten kann und daher alle sieben Songs einer Plattenseite in der richtigen Reihenfolge an einem Stück benötigt. Bei ein wenig Flexibilität bei der Auswahl der gerade mal vier Titel für eine Maxi müsste ein Production Tape aber gewiss zu umgehen sein. Wenn man beispielsweise einen Song pro Seite festlegt und sich dann für ein Stück entscheidet, das sich auf dem Originalband unmittelbar davor oder dahinter befindet, kommt man ohne zusätzlichen Kopiervorgang aus. Da ein solcher in der analogen Welt selbst beim Einsatz von Dolby SR mit leichten Klangverlusten einhergeht, dürfte die Überspielung vom Mastertape direkt auf die Lackfolie noch einmal einen klanglichen Zugewinn bringen.

Dank reger Mithilfe Willem Makkees, der bisher alle image hifi-Platten geschnitten hat, brachte ich in Erfahrung, dass auf dem Masterband für die LP A Swingin’ Safari direkt nach dem Titelstück „That Happy Feeling“ zu finden ist – ein Song, der gewiss nicht zu den schlechtesten unserer Collection zählt. Die A-Seite von Bert Kaempfert on 45, wie unsere Maxi wahrscheinlich betitelt wird, war also schnell unter Dach und Fach. Da dasselbe Band auch noch „Zambesi“ und gleich anschließend den zweiten für uns unverzichtbaren Titel „Afrikaan Beat“ enthielt, wähnte ich mich schon am Ende der Suche. Hätte da nur nicht dieses kleine Sternchen hinter „Afrikaan Beat“ gestanden! Unter „Bemerkungen“ war dann auf dem Bandkarton zu lesen: „Die Titel wurden in diese Fassung kopiert.
B1 = aus N 2439“. Unter dieser Bezeichnung firmiert das Master der LP The Wonderful Sound Of Bert Kaempfert, wo zu den Stücken A4 und B7 vermerkt wurde: „Am 1.2.62 ausgetauscht (Neuaufnahmen)“. Die direkte Umgebung von „Afrikaan Beat“ bilden aber leider „Moonglow“ und „Stardust“, die beide nicht auf unserer Wunschliste stehen, ganz im Gegensatz zu „Where Flamingos Fly“ auf Position A2. Da alle Titel hier – wie es sich gehört – durch Gelbband getrennt sind, hält es unser Schneideingenieur für vertretbar, A3 für die Überspielung kurzfristig herauszuschneiden. Und so gelangen schließlich „Where Flamingos Fly“ und „Afrikaan Beat“ direkt nacheinander auf den Schneidstichel.

In Gröbenzell lauschen Redaktion und Initiator dann gemeinsam dem Probeschnitt. „A Swingin’ Safari“ kommt zwar mit jeder Menge Tieftonenergie rüber, dürfte aber erwachsene Lautsprecher keinesfalls in Bedrängnis bringen, weswegen es genauso einstimmig die Billigung aller Beteiligten erlangt wie „That Happy Feeling“ und „Where Flamingos Fly“. Bei „Afrikaan Beat“ scheiden sich jedoch die Geister: Der Hochtonbereich ist wahrlich ziemlich giftig. Und das ist einigen Kollegen einfach ein bisschen zu viel des Guten. Allerdings weist der einzige in diesem Moment in meiner Kette montierte Tonabnehmer durchaus einen Hang zur Hochtonanhebung auf, wie ein Ortswechsel schnell klarmacht. Gleich nebenan spricht das Benz LP in der Anlage meiner Gattin den Probeschnitt vom Vorwurf eines überzogenen Hochtonbereichs frei, was freilich nicht heißt, dass nun das obere Frequenzspektrum weich gespült und ohne Biss rüberkäme. Das image hifi-Team war sich jedenfalls sehr schnell einig: Wenn das Mastertape bei diesem Song ein wenig Pfeffer in den Höhen hat, soll es bei unserer Maxi nicht anders sein.

Aber sage niemand, wir hätten ihn nicht gewarnt: Beim grob fahrlässigen Umgang mit dem Lautstärkeregler hat 007 durchaus die Lizenz zu töten.